Typengemischte Oberstufe
Seit August 2024 arbeitet die Schönau mit typengemischten Klassen. Im Schuljahr 2026/27 geht die gesamte Oberstufe West ins typengemischte Modell über.
Warum führt die Oberstufe West typengemischte Klassen ein?
Weil wir Vielfalt als Chance verstehen. In gemischten Klassen lernen Jugendliche mit unterschiedlichen Stärken gemeinsam – und zwar unabhängig ihrer Zuweisung in eine Sekundar- oder Realstufe. Das fördert Chancengerechtigkeit, soziale Kompetenzen und bereitet besser auf das Leben und Arbeiten in einer vielfältigen Gesellschaft vor.
Welche pädagogischen Ziele stecken hinter dem Projekt?
- Chancengerechtigkeit fördern: Alle haben unabhängig von der Herkunft die gleichen Möglichkeiten.
- Individuelle Förderung: Jedes Kind soll seine Stärken entdecken und entwickeln können.
- Schlüsselkompetenzen («4K») stärken: Kritisches Denken, Kommunikation, Kreativität und Kooperation.
Wie profitieren die Schülerinnen und Schüler von gemischten Klassen?
- Sie lernen voneinander und unterstützen sich gegenseitig.
- Sie entwickeln Empathie, Teamfähigkeit und Respekt.
- Sie lernen einander unabhängig der Labels «Real/Sek» kennen und schätzen.
- Sie erhalten die Möglichkeit, ihre individuellen Talente einzubringen.
- Sie werden auf die Realität in Beruf und Gesellschaft vorbereitet, wo ebenfalls heterogene Teams zusammenarbeiten.
- Sie arbeiten direkt in ihrem Anspruchsniveau.
- Soziale Herkunft wird als Faktor für die Verteilung von Bildungschancen abgemildert.
Wie werden lernstarke Schülerinnen und Schüler gefördert?
Leistungsstarke Jugendliche erhalten anspruchsvollere Aufgaben und zusätzliche Herausforderungen. Sie können ihr Wissen in Projekten vertiefen und ihre Stärken gezielt einsetzen. Dabei lernen sie punktuell auch, andere zu unterstützen und Verantwortung in Gruppen zu übernehmen (Peer-Learning).
Natürlich bieten wir weiterhin die Kanti-Vorbereitungskurse an. Auch arbeiten wir mit der PH St.Gallen im Projekt «St.Forscht» zusammen, einem MINT-Begabungs- und Begabtenförderungsprogramm für (hoch)begabte Schülerinnen und Schüler der 4. bis 9. Klasse. Darüber hinaus entwickeln wir Lernsettings für die Begabungsförderung in unserem heilpädagogischen Team.
Wie funktioniert die Differenzierung in den typengemischten Klassen?
Damit alle Schülerinnen und Schüler optimal gefördert werden, arbeiten wir mit drei Anspruchsniveaus. Diese orientieren sich am Lehrplan 21 und den dort beschriebenen Grund- und erweiterten Ansprüchen. Zusätzlich berücksichtigen wir die Taxonomiestufen nach Bloom, die die unterschiedlichen Tiefen des Denkens abbilden – vom Verstehen bis hin zur Anwendung, Analyse und kreativen Gestaltung.
Sichern grundlegendes Verständnis (Grundansprüche des Lehrplans 21).
«Rechne die Grundaufgaben zur Prozentrechnung.»
Decken die Kernkompetenzen der Sekundarstufe I ab.
«Wende die Prozentrechnung auf eine alltagsnahe Situation an.»
Für vertiefte Auseinandersetzung und höhere Ansprüche.
«Vergleiche unterschiedliche Methoden zur Berechnung und entwickle eine eigene Lösung.»
Zusätzlich setzen wir auf Eigenverantwortung und Selbstständigkeit in unseren Lektionen «SLZ» (Selbstlernzeit), in denen die Lernenden Ziele setzen und bearbeiten.
Wie entstehen die Prüfungsnoten?
Prüfungen enthalten Aufgaben auf Real- und Sekundarstufenniveau. Die Schülerinnen und Schüler lösen die für ihren Bildungsgang relevanten Teile, dürfen aber alle Aufgaben lösen.
- Realschülerinnen und -schüler: Für eine Note 6 müssen sie sämtliche grünen und gelben Aufgaben (80 %) richtig gelöst haben.
- Sekschülerinnen und -schüler: Für eine Note 6 müssen sie sämtliche grünen, gelben und roten Aufgaben (100 %) richtig gelöst haben.
Die Praxis zeigt, dass ein Grossteil der Realschülerinnen und -schüler in Prüfungen auch die roten Aufgaben löst. Viele können gut im Sek-Niveau mithalten, was wir im Zeugnis abbilden. Zusätzlich fliessen Lernfortschritte, Kompetenznachweise und Beobachtungen in die Beurteilung ein. Es finden regelmässig Feedbackgespräche statt, in denen die Lernenden Rückmeldungen zu ihrem Arbeits-, Lern- und Sozialverhalten erhalten.
Welche Rolle spielen Noten überhaupt?
Wir setzen nicht nur auf Noten, sondern auch auf Rückmeldungen zum Lernen. Wichtig ist, dass die Schülerinnen und Schüler ihren eigenen Fortschritt erkennen und erleben. Damit stärken wir Motivation, Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit.
Neben den Schulnoten nehmen alle Oberstufenschülerinnen und -schüler an kantonalen Tests teil, den sogenannten «Stellwerktests». Sie sind ein wichtiger Indikator für die berufliche Zukunft unserer Lernenden. In der Praxis zeigt sich, dass das Arbeits-, Lern- und Sozialverhalten mindestens genauso wichtig ist wie die Noten.
Welche Unterstützung erhalten Kinder mit Lernschwierigkeiten?
- Zusätzliche Förderung durch schulische Heilpädagoginnen und Heilpädagogen.
- Teamteaching mit den schulischen Heilpädagoginnen und Heilpädagogen in verschiedenen Lektionen.
- Förderzentrum und Selbstlernzeiten, wo individuell begleitetes Lernen möglich ist.
Gibt es Fächer, in denen weiterhin getrennt unterrichtet wird?
Nein. An der Oberstufe West verzichten wir gänzlich auf eine Aufteilung der Stammklasse in Niveaugruppen. Beziehungsarbeit ist uns wichtig.
Die Dynamik innerhalb der Schulklasse und die intensive Beziehungsarbeit zwischen den Lehrpersonen und den Klassen ist eine echte Chance für das soziale und personale Lernen. Wir setzen auf Binnendifferenzierung und Individualisierung in unserem Modell.
Handelt es sich um ein dauerhaftes Modell?
Vorerst arbeiten wir mit unserem Pilotjahrgang (jetzige 2. Oberstufe) und zwei typengemischten Klassen – der Klasse mit Schwerpunkt Musik und ihrer Parallelklasse – im Schuljahr 2025/2026. Eine Ausweitung des Projekts im kommenden Schuljahr ist geplant und befindet sich aktuell im Genehmigungsverfahren.
Die Erfahrungen des Pilotjahrgangs und der beiden Klassen in der jetzigen ersten Oberstufe werten wir weiter aus und bringen sie bei der Fortsetzung ein. Eine erste Befragung der Eltern, Lehrpersonen und Schülerinnen und Schüler fand im Schuljahr 2024/2025 statt. Dabei zeichnete sich eine grosse Zufriedenheit bei allen drei Anspruchsgruppen ab.
Wir arbeiten stetig daran, unser Modell zu verbessern. Wir glauben an die Vision der Chancengerechtigkeit und nähern uns dieser mit dem Projekt «typengemischte Oberstufe» an. Mit diesem Modell wollen wir Förderung für alle ermöglichen, Leistung sichtbar machen und unsere Schülerinnen und Schüler bestmöglich auf ihre Zukunft vorbereiten.
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