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Mon - Fri 7:30 AM - 17:55 PM
Schönaustr. 82, 9000 St.Gallen

Das Förderzentrum der Schönau 

Seit Herbst 2021 bieten wir unseren Schülerinnen und Schülern Lernförderung im Förderzentrum der Schönau an. Hier stellen wir Ihnen die Personen hinter dem Projekt, die Räumlichkeiten und die verschiedenen Angebote vor. 

Das Team des Förderzentrums stellt sich vor 

Tamara Wenzler, Oberstufenlehrperson, Theaterpädagogin und schulische Heilpädagogin 

Mirjam Habegger, Oberstufenlehrperson und schulische Heilpädagogin 

Lara Höft 

Gina Mühlegg 

Wieso schulische Heilpädagogik: Viele unserer Jugendlichen schaffen es (noch) nicht, ihr gesamtes Potential auszuschöpfen, einige sind auch schulmüde oder haben den Glauben an sich selbst verloren. In unserer Funktion als schulische Heilpädagoginnen können wir den Schülerinnen und Schülern helfen, ihr Lernen zu strukturieren, ihr Selbstbewusstsein und ihre Selbstständigkeit zu stärken und ihre Zeit sinnvoll zu nutzen. Lernende mit besonderen Begabungen dürfen wir individuell fördern und begleiten. Lehrpersonen können wir beraten und unterstützen. Uns gefällt unser Beruf sehr gut, weil wir mit so vielen unterschiedlichen Jugendlichen Kontakt haben und dazu beitragen können, dass sie sich bei uns in der Schule wohlfühlen. 

Wieso Schönau? An der Schönau wird Vielfalt nicht nur gelebt, sondern zelebriert. Nicht nur unsere Schülerschaft, sondern auch das Lehrerteam sind bunt und vielfältig. Unsere Stärken, Begabungen und Fähigkeiten können wir im Unterricht und vielen extracurricularen Anlässen einbringen. Ob Musicals, Theaterprojekte, Erlebnispädagogik oder Leseförderung, Kooperationen mit dem umliegenden Gewerbe, Gestaltung externer Lernangebote und Exkursionen oder Events – hier kann sich jede und jeder kreativ einbringen. Das gilt für Lehrpersonen und für Lernende gleichermassen. Über den Schüler:innenrat unserer Schule lassen wir die Jugendlichen partizipieren und mitgestalten, damit unsere Schule nicht nur Lern- sondern auch Lebensraum für uns ist. 

Das Förderzentrum 

Unser Förderzentrum besteht seit Sommer 2021. Mit viel Liebe zum Detail wurden aus den ehemaligen Informatikräumen der Schönau zwei durch eine Durchgangstür miteinander verbundene Räume geschaffen, die ganz auf das Lernen in einer ruhigen Wohlfühlatmosphäre ausgelegt sind. Aktivierende und beruhigende Farben, verschiedene Lernmaterialien und -spiele, viele Bücher, Lernnischen, Gruppentische, höhenverstellbare Schülerpulte, modernste Technik und mit den Lernenden gemeinsam gepflegte Grünpflanzen machen unser Förderzentrum zu einer lernfreundlichen Oase in unserem Schulhaus. 

In den Räumlichkeiten finden Klassenunterricht, Kleingruppenförderung, DaZ-Unterricht, Selbstlernzeit, Sitzungen und Gespräche sowie Lernauszeiten statt. Die verschiedenen Angebote des Förderteams der Schönau stellen wir Ihnen hier vor. 

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Das Lernangebot des Förderteams 

An der Schönau setzen wir auf eine entwicklungsförderliche Beziehungsarbeit, das Anregen der Lernmotivation und den Aufbau eines positiven Selbstkonzepts. Dazu gehören das Erlernen von Lernstrategien und Arbeitsstrukturen genauso wie die Lern- und Arbeitsplanung, die Reflexion und das regelmässige Überprüfen von selbst gewählten Zielen. Lernen fängt mit Wollen an. Genau da setzt das Förderteam an. Wir arbeiten systemisch und analysieren gemeinsam mit unseren Lernenden, Lehrpersonen, unserer Schulsozialarbeiterin, dem schulpsychologischen Dienst und weiteren Fachstellen, welche Ressourcen und Barrieren unsere Lernenden haben und wie der Unterricht bestmöglich auf die individuellen Bedürfnisse unserer Schülerinnen und Schüler ausgelegt werden kann. Unsere verschiedenen Angebote sind darauf ausgelegt, unsere Lernenden dort abzuholen, wo sie stehen. 

DaZ-Unterricht 

In der Stadt St.Gallen werden fremdsprachige Lernende direkt in die Regelschulen integriert. An der Schönau möchten wir unseren Schülerinnen und Schülern ein rasches Ankommen im neuen Kultur- und Sprachraum ermöglichen. Deshalb bieten wir fremdsprachigen Jugendlichen täglich DaZ-Lektionen. Gearbeitet wird mit dem Zürcher Lehrmittel «Startklar», welches optimal auf Lernende im Jugendalter ausgelegt ist. Es ist in drei Niveaustufen verfügbar und orientiert sich an alltäglichen Sprechsituationen im privaten, Schul- und Berufsalltag. Grammatik, wie Satzbau, Nebensätze mit Konjunktionen, Einzahl- und Mehrzahlbildung, Artikel, 4 Fälle und weitere werden nach dem Modell des kommunikativen Lernens erarbeitet. Ganzheitliches Lernen spricht nicht nur den Verstand der Lernenden an, sondern auch ihre Emotionen und Sinne. Das Gelernte wird erfahrbar und erfassbar gemacht; die Fremdsprache wird auf ähnlich intuitive und praktisch-orientierte Weise erlernt wie die Erstsprache. Kooperatives Lernen setzt besonders auf Gruppenarbeit und fördert damit im Alltag bedeutsame Sozialkompetenzen. Handlungsorientierung im Fremdsprachenunterricht bedeutet, dass die Lernenden jederzeit ein konkretes Ziel bzw. einen Zweck vor Augen haben, zu dessen Erreichung sie etwas lernen. Allen drei Ansätzen ist gemeinsam, dass sie die spezifischen Bedürfnisse der Lernenden in den Vordergrund rücken und den Unterricht daran ausrichten. Wenn unsere Lernenden das Niveau A2 abgeschlossen haben, wird ihr DaZ-Unterricht abgeschlossen. Dann sind sie bereit, ihre noch fehlenden Deutschkenntnisse im Regelunterricht und in Alltagssituationen zu erwerben. Die Erfahrung zeigt, dass dieses Konzept zu einer schnelleren und besseren Integration führt, als wöchentliche DaZ-Lektionen. 

Erlebnispädagogiktage 

Unsere « Erlebnispädagogiktage » führen wir mit unseren neu an der Schule startenden Erstklässler:innen durch. Diese werden durch ein mehrteiliges Programm im Freien dazu ermuntert, herausfordernde Übungen und Spiele allein oder in der Klasse zu absolvieren und ihre Kompetenzen zu reflektieren. So sollen sie einerseits mehr über sich selbst und ihre eigenen Fähigkeiten und Grenzen erfahren, andererseits aber auch über ihre Rolle innerhalb der Klasse und die Wichtigkeit des sozialen Miteinanders Erkenntnisse sammeln. Die Teilnehmenden probieren sich aus, trauen sich etwas zu und wachsen über sich hinaus. Die Klassenlehrpersonen erhalten die Möglichkeit, ihre Lernenden ausserhalb des schulischen Lernkontextes kennenzulernen und erste gemeinsame Erlebnisse zu schaffen. Die Natur als Lernraum erfahrbar und nutzbar zu machen und das soziale Lernen in diesem Kontext zu fördern ist für unser Förderteam eine grosse Chance und Möglichkeit und setzt einen wichtigen Gegenpol zu der durch die fortschreitende Digitalisierung zunehmend technisierten Welt der Jugendlichen. Forschungsergebnisse zeigen, dass erlebnispädagogische Programme die Selbst- und Sozialkompetenzen entscheidend positiv beeinflussen und das Selbstkonzept verbessern. Deshalb setzen wir das ursprünglich als Pilot geführte Projekt als festen Bestandteil unseres Curriculums fort. 

(F) 

Silence on lit! 

Das ursprünglich aus der Türkei stammende Projekt «Silence on lit!» zielt darauf ab, Jugendliche, die sich im sogenannten «Leseknick» befinden, also wenig lesen, vor allem dann, wenn sie über wenige Lesevorbilder in der Familie und im Freundeskreis verfügen, an das regelmässige Lesen heranzuführen. Silence on lit! bedeutet an der Schönau, dass täglich zu wechselnden Uhrzeiten das gesamte Schulhaus alles stehen und liegen lässt und für 15 Minuten liest. Im Schulhaus wird es dann still. Nicht nur die Lernenden, auch die Lehrpersonen, das Hausteam und die Schulleitung nehmen während dieser 15 Minuten einen selbst gewählten literarischen Text hervor und widmen sich der Lektüre. Der angenehme Nebeneffekt des Lesens ist, dass die oft reizüberfluteten Jugendlichen und Erwachsenen in diesen 15 Minuten zur Ruhe kommen und sich einzig auf ihren Text konzentrieren können. Die zeitliche Begrenzung trägt dazu bei, dass auch leseschwache Lernende die Lesezeit einhalten können.  

Kleingruppenförderung 

Ob Lernstrategien, Berufswahl, Begabtenförderung, Förderlektionen in Sprachen, Mathematik oder Auftrittskompetenz – im Förderzentrum arbeiten die Jugendlichen mit unseren Spezialistinnen im Team an ihren individuellen Themenfeldern. Die ruhige Arbeitsatmosphäre und das lernfreundliche Raumklima im Förderzentrum tragen dabei genauso zu einer intensiv genutzten Trainingsstunde bei, wie unsere geschulten Lernexpertinnen. 

Die vier Vs 

Was tun, wenn der Schulalltag aus verschiedenen Gründen, zur Belastung wird? Diesen Gedanken sponnen wir bei der Ausarbeitung unseres sonderpädagogischen Konzepts weiter und überlegten uns, welche Gründe dies sein könnten und was wir diesen Belastungsfaktoren entgegensetzen können.  

Vorübergehende Konzentrationsschwierigkeiten 

Unsere Lernenden haben viele intensive Phasen innerhalb ihrer Schullaufbahn – seien dies Prüfungsphasen, Aufnahmeprüfungen an weiterführenden Schulen, Bewerbungs- oder Schnupperphasen, Projektarbeitswochen oder Übertritte in eine andere Schulstufe. Neben privaten, psychischen und/oder physischen Herausforderungen sind dies und weitere Faktoren Gründe dafür, wieso Lernende leicht ablenkbar, frustriert oder unkonzentriert sind. Ist dies der Fall, dürfen sie freiwillig oder auf Einladung einer Lehrperson für einen Teil der Lektion ins Förderzentrum kommen. Dort wird mit kurzen Spielen, Sport- oder Meditationsübungen der Fokus von der Schule zum Lernenden selbst verschoben. Der kurze Unterbruch des Alltags sorgt in den meisten Fällen dafür, dass ein konzentriertes Weiterarbeiten möglich ist. 

Vorbereiteter Arbeitsauftrag 

In manchen Situationen kann es vorkommen, dass eine reizarme, ruhige Arbeitsatmosphäre abseits des Klassengeschehens genau das ist, was unsere Lernenden brauchen, um gut arbeiten zu können. In diesem Fall kommen sie mit ihrem Schulmaterial des jeweiligen Fachs ins Förderzentrum und arbeiten dort, unterstützt von unseren schulischen Heilpädagoginnen, weiter. Die Aufträge werden in sinnvolle, bewältigbare Einheiten aufgeteilt und einzeln bewältigt. Dies löst bei den Jugendlichen ein Erfolgserlebnis aus und schenkt ihnen schrittweise das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten zurück, welches oft durch einen zu hohen Erwartungsdruck oder Misserfolge gelitten hat. 

Verwarnung 

Wir wissen, dass jedes Verhalten einen Grund hat und sich Verhalten nur dann ändern lässt, wenn man den Ursprung dieses Verhaltens herausfinden kann. Gibt es Konflikte während des Unterrichts, liegt ein massiver Regelverstoss vor oder verunmöglicht das Verhalten einzelner Lernender das Weiterlernen der Schulklasse, so schicken die Lehrpersonen diese Lernenden ins Förderzentrum. Hier reflektieren sie gemeinsam mit dem Förderteam die Situation und ihr Verhalten und überlegen sich, wie es dazu kam und welche Massnahmen nötig sind, damit sich das Geschehene nicht wiederholt. Es geht darum, eine Einsicht in das eigene Verhalten und die Folgen dieses Verhaltens für Individuum und Gemeinschaft zu gewinnen. Anschliessend formulieren die Jugendlichen Ziele, wie sie ihr Verhalten ändern möchten. Sowohl Lernende, Lehrpersonen und schulische Heilpädagoginnen unterzeichnen diese Ziele, die nach einer bestimmten Zeitspanne wieder überprüft werden. Konnten diese nicht erreicht werden oder kommt es zu mehreren Verwarnungen, wird ein Gespräch mit den Erziehungsberechtigten geführt. Nach Ablauf der Lektion oder dem Abschluss der Reflexion und Zielvereinbarung gehen die Lernenden wieder zurück in ihre Klasse. 

Verweis 

Bei besonders massiven Regelverstössen oder mehrmaligen Verwarnungen im gleichen Fach kann die Lehrperson einen Verweis aussprechen. Dies bedeutet, dass ein Lernender den Rest des Schultages im Förderzentrum verbringt. Auch hier ist es uns wichtig, dass Lernende eine Einsicht in ihr Verhalten gewinnen, es verstehen lernen und die Konsequenzen für sich und Andere verstehen. Nach einem Verweis wird zwingend ein Elterngespräch geführt, an dem, je nach Fall, unterschiedliche Personen teilnehmen. Ziel dieser Gespräche ist immer, den Jugendlichen einen Neustart zu ermöglichen, der das Auftreten des störenden Verhaltens verhindert. 

Banking Time 

Die «Banking Time” ist ein Konzept, dass auf den amerikanischen Psychologen Robert C. Pianta, Bindungsforscher, zurückgeht. Es ist für Jugendliche gedacht, deren Verhalten man im allgemeinen Sprachgebraucht  als «schwierig und massiv störend» bezeichnet. Die Idee hinter dem Konzept ist einfach aber wirkungsvoll: Führen Gespräche und andere Interventionen nicht zu dem gewünschten Effekt und das Verhalten eines Jugendlichen ist gleichbleibend störend beziehungsweise negativ, belastet dies auf Dauer die Beziehung zu Gleichaltrigen und Lehrpersonen. Lehrpersonen fällt es in der Regel irgendwann schwer, auch die guten Seiten solcher Jugendlicher zu sehen. Bestimmte Vorurteile und Vorstellungen über diese Personen hat sich bereits eingebrannt. Diese Denkweisen werden «mentale Repräsentationen» genannt. Um an diesen etwas zu verändern, braucht es ein Gegengewicht zu den sonst belastenden Interaktionen. Es braucht konfliktfreie, entspannte Begegnungen – und zwar für Lehrperson und Jugendliche. 

Mittels der «Banking Time» werden genau solche Begegnungen initiiert. Während 45 Minuten pro Woche verbringt die Lehrperson, während die Klasse durch unsere schulischen Heilpädagoginnen betreut wird, Zeit mit dem Jugendlichen. Dabei bestimmt dieser, was während dieser Zeit unternommen wird. Sei es ein gemeinsamer Spaziergang, ein neues Spiel erlernen oder einfach plaudern. Wichtig ist: In dieser Zeit bewertet die Lehrperson nicht – sie lässt sich auf den Vorschlag des Jugendlichen ein. Mit der Zeit stärkt die Banking Time die Bindung zwischen Lehrperson und Lernenden und ermöglicht so eine sichere und verlässliche Beziehung, die ein störungsfreies Unterrichten und ein Einlassen auf das Lernen erst ermöglicht.  

Mehr Informationen zum Konzept «Banking Time» entnehmen Sie der Homepage der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik